Freitag, 4. März 2011

Neue Architektur in Bremen: die Beluga-Reederei auf dem Teerhof

Ja ich weiß - der Kapitän geht von Bord. Aber wer von Wirtschaft keine Ahnung hat, sollte zu diesem Thema die Klappe halten. Oder einfach über das reden, wovon er Ahnung hat...

Das Beluga Reedereigebäude wurde 2009 auf dem Bremer Teerhof, einer Weser-Halbinsel zwischen Altstadt und Neustadt errichtet. Damit steht es an historischer Stätte: auf dem Teerhof wurden schon im Mittelalter Schiffe gefertigt. Später erhielt die Insel den Namen Teerhof, weil hier die Schiffe zum Abschluss mit Teer abgedichtet wurden.


Diese Halbinsel lag immer irgendwie dazwischen, zwischen links und rechts der Weser, zwischen 'der richtigen' und 'der anderen' Seite. Die Reederei sollte auch hier die Umgebung aufnehmen, sollte als Mittler fungieren, als Verbindungsstück. So hält es heute architektonisch einiges zusammen, es öffnet sich gleichermaßen zu beiden Seiten und wurde als Mittler zwischen den Wohn-und Bürobauten der Umgebung mit dem BDA-Preis ausgezeichnet. Gleichzeitig repräsentiert der Bau die Tätigkeit im Inneren, gibt sich wie ein Schiff mit Deck und Aufbauten.


Viele halten das Beluga-Gebäude allerdings auf den ersten Blick für ein Hotel, nicht für ein Geschäftsgebäude. Und tatsächlich wurde hier nicht nur wert darauf gelegt, möglichst viele Büros unterzubringen und Raum für die Mitarbeiter zu schaffen, sondern gleichzeitig auch den Bremern etwas von der Stadt zurückzugeben, Ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Stadtraum neu zu erleben.



So betritt man das Gebäude über einen sehr offenen Eingangsbereich, vor dem Gebäude erstreckt sich ein Platz, auf dem die Bremer weiterhin an 'ihre Weser' herantreten können und auf Bänken Platz nehmen können. Weiteren Raum gibt es in luftiger Höhe: Die oberste Etage beherbergt das Restaurant 'Outer Roads', von dessen Dachterasse man einen der schönsten Blicke über Bremen genießen kann.


Der 'graue Riese' ist dabei so geschickt gegliedert, dass die wahre Größe kaum auffällt: Abstufungen, Einschnitte, Aufsätze und die geniale Verknüpfung des Gebäudes mit dem Raum verschleiert, dass es sich um 12.000 qm Nutzfläche handelt. Auch im Gebäude selbst, gibt es Durchbrüche und viel freie Sicht: vom Eingang blickt man hindurch bis in die Neustadt und über drei Geschosse bis in das Obergeschoss. Preisverdächtig ist auch die moderne Kombination traditioneller Materialien: innen Holz, Glas und Lehmputz, außen Glas und dunkler Backstein.


Highlights im Innenraum: die KITA der Kids der Mitarbeiter, die freien Blick in das Gebäude und auf Mama und Papas Arbeitsplatz haben, die Weltkarte mit den Schiffen der Beluga-Flotte als rote Lämpchen, die sich langsam fortbewegen und die großeweiße Freitreppe - wie auf einem Kreuzfahrtschiff, nur schlichter und steiler und irgendwie auch viel weißer. Und das ohne Geländer.
Damals soll man den Reeder auf die unumgänglichen Konsequenzen hingewiesen haben: Patschehändchen überall. 'Na und' soll die Antwort gewesen sein, 'wird halt alle drei Monate neu gestrichen.' Architektur ohne Kompromisse, ohne Wenn und Aber - Großartig und absolut sehenswert!
Auf, auf, geht gucken, bevor die Amis auf die Idee kommen, die Türen wegen Terrorgefahr für die Außenwelt zu schließen....

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