Donnerstag, 21. Oktober 2010

Hafenbus Bremerhaven - Ein Erfahrungsbericht

Heute mal wieder ein Ausflugstipp: eine Hafenrundfahrt in Bremerhaven. Nicht mit dem Schiff sondern mit dem Bus, dem Hafenbus. Ich muss gestehen, dass ich in punkto Hafenrundfahrten nicht zu den Lokalpatrioten zähle. Im Bremer Hafen passiert nun mal einfach nicht mehr sooo viel und so kehren viele Besucher etwas enttäuscht von den Hafenrundfahrten in Bremen zurück. Wer mich fragt, bekommt den Hinweis auf den Hafen in Bremerhaven - man muss eben auch einmal seine Grenzen kennen. Und wissen was die eine hat, was die andere nicht hat.

Bremerhaven hat nicht die historische Stadtkulisse zu bieten, wie Bremen sie hat, aber die Stadt hat mächtig aufgeholt und präsentiert sich nun als perfekte Ergänzung: Großartige Museen, modernste Architektur und ein unglaublich beeindruckender Hafen.
So ist die Hafenrundfahrt sogar etwas für uns Bremer, als alte Hafen-Hasen, die wir Container bis zum Umfallen gesehen haben, den Geruch von Fischmehl, Maische und Kaffee als Heimatbrise empfinden und die wir ohne mit der Wimper die leichtbekleideten Damen am Holzhafen passieren um in die Überseestadt zu kommen.
Selbst wir müssen in Bremerhaven kapitulieren vor diesen monströsen Ausmaßen. Wir wissen zwar zumindest noch, was der Reiseleiter meint, wenn er sagt 'backbord schräg achtern sehen sie jetzt...' - aber dann fliegen auch uns die Zahlen um die Ohren. 11 Mio. Fischstäbchen verlassen täglich Bremerhaven, ein Schiff fasst 14.500 Container oder 60.000 Autos und ein Autozug misst 700 Meter.
Bremerhaven ist die größte Autodrehscheibe der Welt - und da kommen wir zum Vorteil des Busses. Mit dem Bus sieht man nämlich all das, was man mit dem Schiff nicht sehen würde. Er fährt dierkt hinein in den Container- und Auto-Terminal und der Stadtführer erläutert leidenschaftlich alle Eindrücke. Da sind die riesigen Brücken - das was wir alle als riesige Stahldinos oder -giraffen kennen, wenn wir die Hafenkulisse sehen.
Mit Ihnen löschen die Gangs, die nur aus wenigen Menschen bestehen innerhalb kürzester Zeit die riesigen Pötte.

Alles passiert unglaublich schnell und perfekt aufeinander abgestimmt, die Van-Carriers (die eigentlich Portalhubstapelwagen heißen, aber das klingt uncool) nehmen die Container auf und fahren sie quer durch den Hafen - vom LKW aufs Schiff, vom Schiff auf den Zug.
Die Brücken haben eine Höhe von 80 Metern - wenn diese aus China geliefert werden, am Stück, nicht geschnitten, müssen sie gaaaaaanz um Afrika herumgefahren werden, weil sie nicht durch die 70 Meter hohe Brücke im Suezkanal passen.

Einiges wirkt auf Außenstehende wie in einer absurden Lego-Welt: die winzigen Menschen fahren flink umher in kleinen weißen Wägelchen, an denen riesige Antennen mit orangem Lampen stecken, damit sie von den Riesen gesehen werden.
Die LKW-Fahrer müssen beim Abliefern ihr Cockpit verlassen und sich in einen aufgemalten Kreis links neben ihr Fahrzeug stellen, damit die Fahrer der Van-Carrier sie sehen - die können nämlich nicht nach rechts gucken.



Dann staunt man noch über Schleusentore, die (natürlich) in Werften gebaut werden, und zwar immer (natürlich) gleich drei, eins als Ersatz. Und die Schiffe zum Aufnehmen von Öl, die (natürlich) hier liegen, falls mal was passiert. Über die Hochgaragen, die Regale genannt werden und in die 45.000 Auto passen, aber (natürlich) nur, wenn sie ganz dicht parken, also immer nur ein Auto, nämlich das Letzte, beweglich bleibt.


Und über die Fahrzeuge der Kategorie 'high & heavy', die eigentlich 'higher & heavier' heißen müsste, denn (natürlich) kommen über den Autoterminal nicht nur Autos. Nein, hier kommen auch Mähdrescher an. Und amerikanische Schulbusse. Traktoren und landwirtschaftliche Fahrzeuge, deren Bestimmung mir leider verschlossen blieb. Yachten und Oldtimer.


Und (natürlich) befindet sich hier auch die größze KFZ-Werkstatt der Welt, in der alle Fahrzeuge mit allen Schikanen ausgestattet werden, die sie ab Werk und damit bis Bremerhaven nicht haben. Und die letzte Kneipe vor New York sieht man auch.

 Nach zwei Stunden purzelt man absolut sprachlos aus dem Bus, kaut gedankenversunken sein Fischbrötchen und sagt zwei Wochen später immer noch allen: DAS musst du unbedingt auch mal machen!!! Und ich komm gern noch einmal mit!

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