Donnerstag, 7. Oktober 2010

Domtreppen fegen

Ein Geräusch, dass untrennbar mit Bremen verbunden ist, ist das Klirren von Hunderten Kronkorken auf Steinboden. Meist geht dieses tpisch bremische Geräusch einher mit den schiefen Tönen einer unprofessionell gespielten Drehorgel, Gegröle und dem Aneinanderstoßen von Bierflaschen.
Es ist vor allem in der Nähe des Domes zu hören, manchmal aber auch an der Teerhofbrücke. Auf den Stufen steht dann ein seltsam gekleideter junger
Mann, mal im Frack, mal im Schweinekostüm und fegt Kronkorken weg. Viele, viele Kronkorken, immer und immer wieder, denn seine Freunde sind permanent damit beschäftigt, sie wieder auf der Treppe zu verteilen. Warum sie das tun? Weil der Herr in ihrer Mitte 30 geworden ist und IMMER NOCH NICHT verheiratet ist.
Und weil das natürlich echt ganz schön peinlich ist, muss es der ganzen Welt gezeigt werden. Und damit alle richtig viel Spaß haben, nimmt man dem Herrn in der Mitte schon nach kurzer Zeit den Besen weg und reicht ihm einen Handfeger. Oder eine Zahnbürste.
Damit er auch seine Lehre daraus zieht. Und als wäre das nicht schon gemein genug, muss er das Ganze so lange tun bis er von einer Jungfrau frei geküsst wird. Nur noch mal zum Mitschreiben: eine Jungfrau. Das kann dauern. Meist handelt es sich denn auch um kleine, dreijährige, blondgelockte Engel, die von ihren Großeltern nach vorn geschubst werden. Oder sich von drei Kilo Kaubonbons überzeugen lassen, dem unrasierten 30jährigen einen zaghaften Kuss auf die Wange zu geben. Und dann nix wie weg!
Der Brauch soll übrigens darauf zurückgehen, dass man früher glaubte, Menschen, die sich im Diesseits nicht fortplanzten, müssten im Jenseits sinnlose Aufgaben verrichten. Seit 1890 beginnt man in Bremen damit einfach schon im Diesseits. Das Domtreppenfegen ist eine so genannte Hänselstrafe und auch diese habn in Bremen eine lange Tradition:
Hänseln kommt nämlich tatsächlich von - tadaaa - Hanse. Der Nachwuchs der Kaufleute im großen Städtebund musste sich vor allem in Bergen vielen gemeinen Prüfungen unterziehen - nicht etwa im Rechnen oder Koggen beladen, sondern im eklige Flüssigkeiten trinken oder in einem Sack im Rauch hängen.
Da ist es doch gut, dass es heute eher harmlos und lustig zugeht, nicht wahr?
Ach so, wer sich die Emanzipationsfrage stellt: Ja, wir Mädels müssen auch. Wir dürfen aber nicht so schön Klirren sondern müssen nur die Klinken putzen. Schade eigentlich..

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