Sonntag, 12. September 2010

Tag des offenen Denkmals 2010

Heute war mal wieder der Tag des offenen Denkmals - ein guter Anlass, Euch mein Bremer Lieblingsdenkmal vorstellen. Es ist mir das Liebste unter 1700 hier in Bremen, denn es ist nicht das, was man von einem Denkmal erwartet. Es ist kein Weltkulturerbe, es ist keine Kirche und kein Reiterstandbild - es ist die 'Schlachte'.
Ja, die 'Schlachte' ist ein Denkmal. Nicht die Biergarten-Restaurant-Feier-Schlachte, sondern die Mittelalterliche-Hafenanlage-Schlachte. Was ja - genau genommen - das Gleiche ist.

Die Schlachte steht als Ensemble unter Schutz, das heißt ein bestimmtes Areal wird als Ganzes geschützt, nicht als Einzelteil.
Ein Ensemble beinhaltet Einzeldenkmale, in diesem Fall z.B. die zentrale Schlachtemauer, die Kaianlage. Diese fiel ursprüngliche steil in die Weser ab, die heute so genannte 'untere Schlachte' entstand erst nach dem 2.Weltkrieg. Noch heute ist sichtbar, wo sich früher Treppenaufgänge befanden.


Auch
einige Geschäftshäuser, wie das Kontorhaus der Firma Bachmann an der Teerhofbrücke stehen unter Schutz und natürlich die Martinikirche.
Zum Ensemble gehören aber auch Häuser ohne Denkmalwert, sie bilden sozusagen das Füllmaterial des Ensembles. Denn wichtig ist beim Ensemble vor allem die Gesamtsituation, die Straßenzüge und die Bezüge zueinander.

Im Falle der Schlachte bedeutet dies, dass die alten Straßenzüge geschützt werden. Die erste und zweite Schlachtpforte, die Kranpforte und die Ansgaritränkpforte waren Portale in der Stadtmauer, die hinunter an die Hafenanlage führten. Auch die Heimlichenstraße soll nach einem Portal benannt sein, dass nachts als einziges unverschlossen blieb und durch das man heimlich hindurch schlüpfen konnte.

Schlachte bedeutet übrigens nichts anderes als
befestigte Uferanlage, der Begriff geht auf das '(Ein-)Schlagen' von Pfählen zurück, mit denen man 1247 das Ufer befestigte.
Auch ein altes Kranfundament steht unter Schutz - wer genau hinschaut, findet es in der Mauer bei den Granitstufen. Mit diesen 'Wuppen' bekam man tatsächlich etwas 'gewuppt', nämlich die Waren von den Schiffen auf die Schlachte.

Mehr Infos zur 'Zusammensetzung', Kartenmaterial und historische Abbildungen dieses und anderer Denkmale findet man in der digitalen Denkmaldatenbank des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege: http://194.95.254.61/denkmalpflege/index.htm

1 Kommentar:

  1. Ach ja...seufz...wieder typisch du, großartiger Post...hast unsere wundervolle Schlachte wunderbar vorgestellt...gibt doch kaum etwas schöneres, oder? Welche Stadt hat schon so etwas zu bieten? Wird mal wieder Zeit dort ein Käffchen zu trinken, spazieren zu gehen...unsere geliebte Schlachte...
    :-)))

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