Sonntag, 26. September 2010

Der Roland

Ein Mann stand heute ganz verlassen im Regen auf dem Marktplatz - und lächelte trotzdem: der Roland. Deshalb bekommt er heute zumindest von uns die gebührende Aufmerksamkeit.
Der Roland ist der wichtigste Mann der Stadt, wichtiger als Bürgermeister und alle Werder-Spieler zusammen, denn in Bremen sagt man: 'Wenn der Roland fällt, dann fällt auch Bremen'. Er ist also so etwas wie der steinerne Schutzengel der Stadt.
Deshalb hat man ihn immer gehütet wie den Augapfel der Stadt - im Zweiten Weltkrieg hat man ihn z.B. komplett eingemauert und tatsächlich wurde er wie durch ein Wunder verschont.
Und so steht er da, jung und fesch trotz seiner 600 Jahre. Seit 1404 steht er mittlerweile auf dem Marktplatz, aufgestellt von den Bremer Bürgern als Zeichen für die Unabhängigkeit vom Erzbischof, dem obersten Stadtherrn im Mittelalter.
Bis heute erzählt man sich, er würde aufmüpfig in Richtung Dom blicken. Tut er aber gar nicht, er schut ganz stur geradeaus, in Richtung 'Ostertor', dem Stadtttor im Osten, durch das es über die Hamburger Straße Richtung Hamburg ging. Und ja, Hamburg war schon wichtig. Irgendwie. Da gings nach Lübeck.
Jedenfalls empfing er so die Händler als Zeichen für den (Jahr-)Markt, der als 'Freimarkt' zwei mal jährlich zu seinen Füßen stattfand.
Der Roland trägt allerhand Kram mit sich herum, allesamt Symbole für etwas: Die Handschuhe symbolisieren das Marktrecht, das Schwert die Gerechtigkeit und das Gericht und das Schild symbolisiert wieder die Freiheit. Auf dem Schild gibt es einen Schriftzug: 'Vryheit do ik ju openbar, de karl un menich vorst vorwar, desser stede ghegheuen hat, des danket god is min radt' (Freiheit offenbare ich Euch, die Karl und mancher Fürst fürwahr, dieser Stätte gegeben hat, dafür danket Gott ist mein Rat.') Damit meinte man einige ungewöhnliche Rechte der Ratsherren, die man ganz stolz vor sich hertrug - obwohl man heute weiß, dass alle diese Urkunden gefälscht waren und man sich die Rechte einfach selbst gegeben hat.
Aber das ist eine andere Geschichte...

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