Sonntag, 19. September 2010

Schaurig-schönes Bremen

Der Herbst naht, die Tage werden kürzer und dunkler. Schade? Aber nein! Endlich wieder in richtig schöner Atmosphäre Gruselgeschichten erzählen: Bei unserer gruseligen Stadtführung 'Hexen, Geister, dunkle Gassen - ein schaurig-schöner Stadtrundgang' erfahren unsere Teilnehmer alles über die dunkle Seite Bremens.

Eine Geschichte will ich Euch heute hier erzählen, weil ich sie so gerne mag - sie fällt ein wenig mehr unter schön als unter schaurig. Obwohl....na, lest selbst!


Es geht um einen Geist, der bis heute in Bremen sein Unwesen treibt - und zwar auf dem Stadtwerder, zu Füßen der umgedrehten Kommode. Es ist ein sehr alter Geist, der schon sehr lange auf dem Stadtwerder festsitzt.

Und das kam so: Eines Tages kamen zwei Brüder nach Bremen, um hier ihr Glück zu versuchen. Der eine war sehr ehrgeizig und wollte hoch hinaus – koste es was es wolle, der andere still und genügsam. Und so wurde der jüngere Bruder ein einfacher Fährmann und setzte die Milchbauern hinüber zum Stadtwerder, wo sie ihre Kühe weiden ließen. Sein Bruder hingegen arbeitete sich durch Intrigen hinauf bis zum obersten Richter der Stadt. So zerstritten sich die Brüder und gingen jeder seines Weges – bis das Schicksal sie wieder zusammen führte: Einige Bauern klagten den Fährmann an zu viel Geld zu verlangen und er wurde vor den Richter, seinen Bruder bestellt. Diesem bewies er seine Unschuld, doch der ältere Bruder hatte Angst ihn freizusprechen – es hätte ja jemand glauben könne er wolle seinen Bruder nur schützen. Und so verurteilte er seinen Bruder - unschuldig!

Die Strafe für diesen Verrat folgte auf dem Fuße: der Richter fiel noch im Gerichtsaal tot um - und trieb fortan als Geist sein Unwesen in der Stadt. Eines Tages lies man einen Mönch kommen, der ihn verbannte – und zwar in die Pauliner Marsch im Osten der Stadt. Dort sollte er das Schwarze Meer, einen Sumpf, bis auf den letzten Tropfen durchsieben und das Gras auf der Weide bis auf den letzten Halm zählen.
Natürlich war das dem Geist auf Dauer doch zu öde und so begann er Schabernack zu treiben und prügelte die Melkersjungen und erschreckte die Mägde. Die gesamte Pauliner Marsch ward fortan gemieden, keiner traute sich mehr dorthin. Dem Geist wurde sehr langweilig mit seinen Grashalmen und er richtete sehnsuchtsvolle Blicke hinüber auf den Werder, von wo das Lachen der Milchmädchen herüberschallte. Und so mogelte er sich eines Tages unter die Melker und ließ sich übersetzen. Seither treibt der Geist dort drüben sein Unwesen.

Die Sommermonate – wenn die Parzellen genutzt werden - vertreibt sich mit Streichen, doch immer wenn der Herbst kommt wird im weh ums Herz und er sehnt sich zurück in die Pauliner Marsch um Grashalme zu zählen und so vielleicht doch noch seinen Bann zu lösen. Und so kann man bis heute - wenn es im Herbst ganz still ist - den Geist nach der Fähre rufen hören: Hal över, Hal över (Hol über, Hol über)....

Kommentare:

  1. Uiiiii..
    Und wir machen dort auch im Winter Hundeschule.........
    Wie gruselig!

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  2. Schöne Bücherwand hast du übrigens!

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