Donnerstag, 22. Juli 2010

'Der Rufer' und 'Mann mit Vogel' - zwei Männer an der Weser

Der erste hat einen sehr treffenden Namen: 'Mann mit Vogel'. Und tatsächlich steht unten an der Weser am Martinianleger ein Mann mit einem Vogel auf der Schulter. Genau genommen ist es eine Möwe. Viele Teilnehmer unserer Stadtführungen stutzen - sitzt dort eine echte Möwe auf der Skulptur? Nein, die ist genauso Teil des Kunstwerks wie der Mann selbst. Das Kunstwerk stammt vom Künstler Stephan Balkenhol, dem wohl bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer Deutschlands. Seine Skulpturen stehen in Hamburg, Berlin, Salzburg und Rom und tragen Titel wie 'Mann mit Giraffe', 'Großer Mann mit kleinem Mann', 'Mann auf Mozartkugel' und 'Männer auf Bojen'. Die Männer (und Frauen) werden aus Pappelholz gehauen, sind überlebensgroß bis riesig und werden manchmal - wie für Bremen - in Bronze gegossen. Sie alle wirken teilnahmslos, verziehen keine Miene - denn Balkenhol setzt nicht dem Einzelnen ein Denkmal sondern einem 'Jedermann' in blauem Hemd und brauner Hose - eben dem 'Mann mit Vogel', der 'Frau mit Kind' oder der'Frau mit Giraffe'. Manchmal gibt es auch nur ein Körperteil, so wie den 'Seemannsarm' in Bremerhaven.

Der zweite Mann steht ebenfalls an
der Weser, ist aber weitaus kommunikativer und macht seinem Namen alle Ehre. Die Bronzeskulptur trägt den Titel 'Der Rufer' und genau das ist es, was der Mann dort tut: Er ruft. Und damit ihn auch wirklich alle hören, formt er beide Hände um die Mundwinkel um den Schall zu verstärken. Was er da über die Weser ruft? Die neuesten Nachrichten, denn er steht stellvertretend für die Aufgabe von Rundfunk und Fernsehen. 1966 wurde er von Radio Bremen in Auftrag gegeben, beim Bildhauer Gerhard Marcks, der auch die Stadtmusikanten geschaffen hat. Der fand es zu zeitgebunden, einen Fernseher oder ein Radio darzustellen (gut so, heute hätte ihn jeder iPad-Besitzer belächelt) und entschied sich stattdessen für einen zeitlosen 'Rufer'. Vor einigen Jahren zog er mit um, an die Weser, zum neuen Funkhaus von Radio Bremen. Und wurde dabei etwas aufgemotzt - er bekam einen drehbaren Sockel. Läuft '3 nach 9', dreht er sich um und ruft von der Welt durch das Fenster ins Studio - nach der Sendung wendet er sich wieder der Weser und dem Rest der Welt zu.



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